Hendrik Auf'mkolk42,195 km Marathon
27.04.2009 • Kommentare deaktiviert

Mein Hamburg Marathon 2009

Mit ein wenig Abstand zum Marathon-Debüt gestern hier jetzt mein ausführlicher Bericht.

Die Pace-Grafik gibt den Rennverlauf ziemlich gut wieder: Die ersten zehn Kilometer bin ich wie geplant verhalten angegangen (49:10), danach hatte sich der Stau auf der Strecke aufgelöst und die Beine waren eingelaufen. Bis KM 32 lief es dann absolut nach Plan (HM: 1:42:50; 30 km: 2:27:02) und ich war auf Kurs für eine Zeit unter 3:30 h. Dann musste ich zum ersten mal Tempo rausnehmen. Bei der Verpflegungsstelle an Kilometer 35 bin ich das erste Mal ein paar Schritte gegangen, vor allem um besser und damit mehr trinken zu können.

Etwa bei Kilometer 37 kam dann der berüchtigte Mann mit dem Hammer – mein Kreislauf ging in die Knie. Ich versuchte jetzt, mich nur noch auf den Bewegungsablauf zu konzentrieren und zwang mich jeweils bis zur nächsten Wasserstelle, um dort wieder zwei oder drei Becher zu trinken und einige Meter zu gehen. Bei KM 40 (3:23:29) war mir klar, dass ich spätestens im Ziel zusammenbrechen würde. Und so war es dann auch – gut zu erkennen auf dem Ziel-Video von RunnersTV (am linken Bildrand, etwa zur Hälfte des Videos). Leider habe ich auch an den Zieleinlauf keine Erinnerung mehr – ich wusste nicht einmal, dass ich es ins Ziel geschafft hatte, als ich im Sanitäts-Zelt wieder zu mir kam.

Mit der Zeit von 3:38:30 kann ich leben und angesichts der letzten Kilometer bin ich sogar zufrieden, überhaupt gefinisht zu haben: Für die letzten 2.195 Meter habe ich elend lange 15 Minuten gebraucht (RunnersWorld-Foto).

Der Vorher-Nachher-Vergleich:

Analyse

Ich vermute, dass mehrere Faktoren ursächlich waren für den Einbruch auf den letzten 5 Kilometern. Sicherlich fehlte mir als Debütant auch noch etwas Erfahrung. Die in der Summe kräfteraubenden Überholmanöver werde ich z.B. beim nächste mal so weit wie möglich reduzieren. Hinzu kam, dass es mit 22-25 Grad deutlich zu warm war und die Strecke bei wolkenlosem Himmel kaum Schatten bot. Dementsprechend hätte ich wohl noch mehr trinken müssen. Vor allem aber war wohl die Verpflegung nicht optimal: Mehr als drei Energie-Gels habe ich unterwegs nicht runterbekommen. Hier muss ich wohl noch ein wenig experimentieren, mit welchen Herstellern bzw. Produkten ich auch nach 30 km noch zurecht komme.
In der Vorbereitung auf den nächsten Marathon werde ich die Trainingsumfänge steigern, um im letzten Viertel des Rennens noch mehr Kraft zu haben. An der Pace lag es jedenfalls nicht. Den nächsten Marathon werde ich wegen meines Examens frühestens im Frühjahr 2010 laufen. Bis dahin werde ich mich auf die kürzeren Distanzen konzentrieren, aber auch dabei häufiger schon mal einen längeren Lauf (über 25-30 km) ins Training einbauen.
Marathon-Kritik
Der Hamburg-Marathon machte im Vorfeld der Veranstaltung vor allem negative Schlagzeilen: Ein Titelsponsor wurde erst in letzter Minute gefunden, Top-Läufer konnten nicht verpflichtet werden und Kommunikation und Außendarstellung des Veranstalters wirkten alles andere als professionell. Vor Ort war davon aber zum Glück wenig zu spüren: An der Organisation gab es für mich wenig auszusetzen: die teilweise völlig deplatzierten Tempo-Läufer und die viel zu laschen Kontrollen an den Eingängen zu den Startblöcken.
Die Stimmung an der Strecke war grandios, vor allem der Weg hinunter zu den Landungsbrücken mit Blick auf die Docks und die Zuschauermassen links und rechts und sogar auf den Brücken über der Straße sorgte bei mir für Gänsehaut-Feeling. Toll ist auch die Wende in Ohlsdorf – hier läuft man durch ein dichtes Zuschauerspalier. Überhaupt waren die Zuschauer fantastisch, einige Familien hatten mit viel Mühe zusätzliche Verpflegungsstellen in ihren Vorgärten eingerichtet, und gerade auf den letzten Kilometern habe ich einige Male Wasserbecher angereicht bekommen, für die ich sehr, sehr dankbar war.
Die Strecke selbst fand ich größtenteils super, weil sehr abwechslungsreich. Einzig die lange Gerade über die Rothenbaumchausee auf den letzten Kilometern ist etwas langweilig. Die Strecke ist insgesamt flach, allerdings gibt es einige zwar sehr moderate, aber ziemlich langgestreckte Steigungen.
Fazit: Ein gutes Marathon-Pflaster!
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