Hendrik Auf'mkolk42,195 km Marathon
27.04.2010 • 8 Kommentare

Hamburg-Marathon 2010

Nach einer optimalen Vorbereitung war am Sonntag endlich der Tag gekommen, an dem es galt, die Früchte des harten Trainings zu ernten. 42,195 km in unter 3 h bzw. in 4:15 min/km – das war der Plan. Am Ende hat es nicht ganz gereicht, und trotzdem war es ein nahezu perfektes Rennen. Aber der Reihe nach:

KM 0-5
Bei 9 Grad und Sonnenschein waren die Bedingungen am Start fast ideal. Nachdem ich in den Tagen zuvor wegen eines allergischen Hustens etwas angeschlagen war, fühlte ich mich an diesem Morgen ausgeruht und freute mich, dass es endlich losing. Aus Block C startend war ich schon rund 20 Sekunden nach dem Angeläut über der Startlinie. Nach den üblichen Überhol- und Ausweichmanövern waren die ersten 1.000 Meter in 4:23 min absolviert. Schon auf dem zweiten Kilometer (4:16 min) hatte ich meinen Rhythmus gefunden und versuchte, jetzt möglichst kraftsparend “rollen” zu lassen.

KM 5-10
Auf dem Weg zu den Landungsbrücken kam plötzlich ein böiger Wind auf, der dann aber zum Glück wieder abflaute und sich erst auf den letzten Kilometern wieder zurückmeldete. Die Beine waren jetzt locker und die grandiose Stimmung an den Landungsbrücken verleitete dazu, das Tempo deutlich anzuziehen. Aber ich widerstand der Versuchung und beschleunigte nur minimal. Das erste Gel (einen Hungerast wie im letzten Jahr wollte ich auf jeden Fall vermeiden) und Kilometer 10 war nach 42:20 min erreicht – genau nach Plan!

KM 10-15
Nach einem kurzen Abstecher an der HafenCity entlang ging es jetzt wieder ins Zentrum, vorbei an Jungfernstieg und Binnenalster. Die Beine fühlten sich weiter gut an und obwohl es jetzt spürbar wärmer wurde hielt sich die Anstrengung noch in Grenzen. Gefährlicher war da schon die Getränkeaufnahme: An der Verpflegungsstelle bei KM 15 blieb ein Läufer vor mir plötzlich stehen. Ich signalisierte mit einer leichten Berührung am Rücken, dass es fast zu einem Zusammenstoß gekommen wäre – statt sich zu entschuldigen stieß er mich daraufhin mit beiden Händen mutwillig zur Seite. Ich kam aus dem Gleichgewicht und konnte nur mit viel Glück einen Sturz vermeiden. Nachdem wir noch ein paar verbale Nettigkeiten ausgetauscht hatten, ging es dann endlich wieder um Laufsport.

Danke an Hannes Christiansen für die Fotos!

KM 15-20
Der nächste Abschnitt verlief dann ohne besondere Vorkommnisse. Ich konnte das Tempo weiterhin ohne allzu große Anstrengung halten, allerdings machte sich plötzlich das rechte Knie bemerkbar – kein Schmerz, aber ein unangenehmes Gefühl beim Beugen. Mit dem rechten Knie hatte ich bisher nie Probleme, und nach ein paar Kilometern war der Spuk zum Glück auch schon wieder vorbei. Bei Kilometer 19 stand “Vanman” Jochen Heringhaus und grüßte mich von seinem Moderatoren-Platz auf dem Dach des Wagens.

KM 20-25
Die Halbmarathon-Marke passiere ich nach 1:29:35 h – weiterhin exakt nach Plan und den 3h-Ballon samt dazugehörigem Zugläufer weiter in Sichtweite. An die folgenden Kilometer habe ich kaum Erinnerungen, was ein Zeichen dafür ist, dass es gut lief.

KM 25-30
Irgendwo zwischen Kilometer 26 und 27 kündigten sich plötzlich Seitenstiche an – ich hatte das (recht kühle) Wasser wohl etwas zu schnell heruntergekippt. Ich nahm sofort etwas Tempo raus, um Schlimmeres zu verhindern. Nach ein paar Minuten war das Problem verschwunden und ich konnte wieder Fahrt aufnehmen. Kilometer 30 war nach 2:07:42 h erreicht – perfekt!

KM 30-35
Inzwischen musste ich mich konzentrieren, um das Tempo konstant zu halten; die Lauf-Haltung wurde ineffizienter, zudem störten einige Kurven den Rhythmus. Es wurde merklich anstrengender und es begann der Teil des Marathons, bei dem vor allem der Wille entscheidet. Bei Kilometer 35 reichte mir meine Schwester eine Cola, lief ein kurzes Stück neben mir und feuerte mich noch mal an, den 3 h Ballon nicht ziehen zu lassen. Ein psychologisch ganz wichtiger Punkt und statt das Ziel jetzt schon aufzugeben, gab ich noch einmal alles.

KM 35-Ziel
Bis Kilometer 37 konnte ich das Tempo weiter im Soll halten, wenn auch mit immer größerer Mühe. Leider kommen ausgerechnet jetzt einige Erhebungen, die zwar sonst kaum als Steigungen durchgehen würden, mit 37 Kilometern in den Beinen allerdings ziemlich gemein sein können. Kilometer 38 laufe ich erstmals in 4:30er-Schnitt. Ein letztes Mal versuche ich noch, die Pace wieder auf unter 4:15 min/km zu drücken – doch mein Körper signalisiert mir ziemlich deutlich, dass ein Schluss-Spurt, mit dem die 3h-Marke noch zu knacken wäre, nicht mehr möglich ist. Kilometer 40 passiere ich nach 2:52:13 h. Statt jetzt einen völligen Einbruch für eine Zeit um 3:01:30 h zu riskieren, nehme ich bewusst Tempo raus und laufe die letzten beiden Kilometer so locker wie möglich ins Ziel. Nach 3:03:27 h komme ich erschöpft, aber glücklich ins Ziel (Video).

Fazit
Mein zweiter Marathon und eine ganz andere Erfahrung als beim enttäuschenden Debüt im letzten Jahr! Mit der Zeit (immerhin eine Verbesserung um über 35 Minuten) bin ich absolut zufrieden. Natürlich wäre die magische 2 schöner gewesen, aber nach nur anderthalb Jahren regelmäßigen Trainings sollte man auch nicht vermessen sein. Gerade im Marathon zählt das langfristige Engagement – und die Entwicklung lässt hoffen, dass weiter deutliche Fortschritte möglich sind. Meine Motivation jedenfalls ist größer denn je – schon jetzt überlege ich, wann und wo ich im Herbst an den Start gehe!

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Kommentare

  1. gpway 
    meinte am 27.04.10 um 11:05 Uhr:

    Gratulation zu dieser Top-Leistung, auch wenn es nicht ganz zur sub3 gerreicht hat, aber optimales Rennen.
    die 2 holst du dir beim nächsten Mal. LG aus Sachsen

  2. Bernd 
    meinte am 27.04.10 um 11:07 Uhr:

    Herzlichen Glückwunsch zu Deiner super Leistung. Auch wenn es mit der “magischen 2″ noch nicht geklappt hat, einen Marathon überhaupt zu laufen ist schon mehr als großartig und erst recht in so einer tollen Zeit. Ich habe einen riesen Respekt vor der Leistung aller die beim Marathon dabei waren. Beim nächsten Marathon wird es dann mit der “magischen 2″ klappen. :-)

  3. André 
    meinte am 27.04.10 um 11:22 Uhr:

    Herzlichen Glückwunsch zur neuen Bestzeit! Eine Verbesserung um 35′ ist doch Wahnsinn! Die 3h Marke schafft braucht meistens mehr als einen Anlauf!

  4. Laufhannes 
    meinte am 27.04.10 um 12:38 Uhr:

    Lieber Hendrik, noch einmal Glückwunsch zu der super Leistung! Gerade wenn man deinen Bericht liest, merkt man noch einmal, dass wirklich alles gut lief. Denn das Diagramm vermittelt den Eindruck einer leicht zu schnellen ersten Hälfte. Angesichts der Temperaturen war das so aber sicherlich richtig. Auch etwas erholter wäre es da am Ende sehr eng und vor allem hart geworden.

    Beachtlich finde ich auch noch die Lockerheit, am Ende zu sagen, man sprintet nicht mehr um alles sondern lässt sich mit einem Lächeln von den Zuschauern über die Ziellinie tragen. So ein Marathonerlebnis ist viel wert!

  5. Guido 
    meinte am 27.04.10 um 20:56 Uhr:

    Hi Hendrik,
    herzlichen Glückwunsch zur tollen Zeit, Respekt!
    Den motivierenden Effekt von jubelnden Zuschauern kann ich nur bestätigen, vor allem wenn es dann auch noch Familienangehörige sind! Vielleicht hättest du bis zum Ziel noch Oma, Opa, Vater und Mutter zum Mitlaufen verpflichten sollen ;-)

    P.S.:Coole Fotos Hannes

  6. Martin 
    meinte am 28.04.10 um 06:57 Uhr:

    Gratulation!! Bei dieser Verbesserung kannst du solz auf dich sein ;-)
    Die 3h-Marke fällt schon noch früh genug (vielleicht ja noch in diesem Jahr).

    Grüße

  7. Gregor 
    meinte am 30.04.10 um 07:28 Uhr:

    Beim nächsten mal knackst du die 3 Stunden Marke. Bei mir hat es erst beim 6.Marathon geklappt. Habe Geduld dann wirst du sicherlich im Herbst deine
    2:59 Std.! Erhol dich gut! Gruß Gregor

  8. [...] auch ein Kreis, wenn ich zum Abschluss des Studiums auch den Marathon hier laufe. Nach den 3:03 h in Hamburg ist das Ziel für Münster natürlich klar: Unter 3 [...]