Nach dem Examensstress der letzten Wochen habe ich jetzt Zeit, um entspannt, ein klein wenig stolz und vor allem dankbar auf mein Laufjahr 2009 zurückzublicken.
2009 war das erste Jahr, in dem ich durchgängig und strukturiert trainiert habe, abgesehen von einer Verletzungspause im Januar und der Regenerationsphase nach dem Marathon-Debüt im April. Insgesamt sind so 1.775 Kilometer zusammen gekommen. Verteilt auf 148 Netto-Trainingsstunden ergibt das einen Tempo-Schnitt von genau 5 min/km. 148 Stunden sind umgerechnet nicht mal eine halbe Stunde pro Tag, also eigentlich ein verschwindend geringer Zeitaufwand. Laufen kann jeder, selbst mit noch so vollem Terminkalender.
Jahresbilanz 2009 - 1.775,3 km in 148:02:56 h
Wichtigste Lektion in diesem Jahr: In dem Spruch “Good things come slow, especially in long distance running” steckt sehr viel Wahrheit. Es bringt nichts, Bestzeiten kurzfristig erzwingen zu wollen – das produziert bestenfalls Enttäuschungen, schlimmstenfalls Verletzungen. Stattdessen lohnt es sich, langfristig zu denken und zu trainieren.
Zufrieden bin ich speziell mit der zweiten Jahreshälfte. Fast 1.100 verletzungsfreie Kilometer zeigen, dass ich inzwischen nicht mehr allzu viel verkehrt mache und die Richtung stimmt. Auch die Leistungsentwicklung im letzten Halbjahr lässt hoffen, auch wenn die Luft natürlich mit jeder neuen Bestzeit dünner wird.
Abseits aller läufertypischen Zahlenspiele bin ich aber in erster Linie dankbar dafür, einen Sport ausüben zu können, der mich mental ausfüllt, körperlich herausfordert und trotz oder gerade wegen seiner Einfachheit fasziniert. Es gibt nichts schöneres als einen Waldlauf durch frischen Pulverschnee oder einen langen Lauf in den Sonnenaufgang. Das ist es, was zählt!
Euch wünsche ich – falls denn geplant – schöne Silvesterläufe und ein verletzungsfreies, in jeder Hinsicht erfolgreiches Jahr 2010!
Bücher über’s Laufen gibt es wie Sand am Meer. Meist geht es darin aber um Trainingsmethoden, Marathon-Vorbereitung oder Ernährungs-Tipps. Das alles hat sicherlich seine Berechtigung, ist auf Dauer aber doch eher ermüdend.
Wer gerne einmal ein völlig anderes Buch über das Laufen lesen möchte, dem kann ich “Laufen – Geschichte einer Leidenschaft” allerwärmstens empfehlen. Der Ultraläufer und Zoologie-Professor Bernd Heinrich erzählt auf rund 340 Seiten nicht nur seinen “Lebenslauf”, sondern erklärt vor allem, welche Bedeutung Laufen, Schnelligkeit und Ausdauer in der Natur haben. Und das auf eine wunderbar unterhaltsame Art.
Drei Wochen mit stark reduzierten Umfängen und ebensolcher Motivation liegen jetzt hinter mir. Der Ruhemonat war natürlich nötig und auch so geplant, aber seltsamerweise habe ich ihn eher als Belastung empfunden. Der Körper reagiert mit Wehwehchen und die Ziellosigkeit nervt. Jetzt geht es aber endlich wieder an die Trainings- und Wettkampf-Planung für die neue Saison!
Den Dezember über werde ich es noch recht ruhig angehen lassen und den Schwerpunkt auf Kraft und Athletik legen, mit Kräftigungsübungen und regelmäßigen Schwimm-Einheiten.
Ab Januar geht es dann wieder richtig los. Der Crosslauf in Steinfurt am 8. Januar (evtl. alternativ in Oelde) sollte eine erste Standortbestimmung ermöglichen. Die Winterlaufserie in Hamm werde ich auch 2010 wieder mitnehmen. Die Strecken dort sind zwar ziemlich langweilig, aber die Serie ist eine willkommene Abwechslung in den umfangorientierten Wochen im Januar und Februar und dient der Kontrolle beim Formaufbau.
New York City Halbmarathon (Foto: qivn via flickr)
Mitte bis Ende März werde ich in New York City verbringen. Der Zeitpunkt ist natürlich nicht ganz zufällig gewählt, denn am 21. März findet der NYC-Halbmarathon statt. Die Strecke führt in zwei Runden durch den Central Park und dann am Times Square runter zum Battery Park. Das dürfte also ein echtes Highlight werden.
Meinen Frühlingsmarathon werde ich wohl wieder in Hamburg laufen. Auch wenn mich die wieder mal gestiegene Startgebühr ärgert und der Veranstalter die Marathonmesse an den Hafen verlegt, ist der Marathon an sich wirklich toll. Die Strecke ist flach und abwechslungsreich und der Zuschauerzuspruch mindestens so gut wie in Berlin. Ziel für meinen zweiten Marathon: In Richtung 3:15 h laufen und, anders als 2009, den Zieleinlauf genießen können!
Spätestens seit dem Kinofilm von 2008 ist die Lebensgeschichte von Andreas Niedrig auch vielen bekannt, die sich sonst nicht für Sport interessieren. Am Mittwoch hielt Niedrig einen Vortrag an der Uni Münster, den ich mir natürlich nicht entgehen ließ. Niedrig berichtete dankenswerterweise nicht lange über seine Drogen-Vergangenheit (die wird ja im Film schon ausführlich dargestellt), sondern legte den Schwerpunkt auf seinen Weg zum Spitzensportler. Er widersprach auch dem Eindruck, dass der Sport für ihn zur Ersatzdroge geworden sei – er habe mehrere Jahre gebraucht, um sich wieder ein bürgerliches Leben aufzubauen, seine Triathlon-Karriere begann erst danach.
Tenor seines Vortrags: Nichts ist unmöglich, wenn man nur selbst daran glaubt. Und: Sport bedeutet nicht nur Sieg oder Niederlage. Seinen Traum, noch einmal als Profi beim Ironman auf Hawaii zu starten, erfüllte sich Niedrig Anfang Oktober (als 41-jähriger und nach mehrjähriger Verletzungspause). Als 881. landete er zwar weit abgeschlagen mitten im Feld der Hobby-Athleten, aber: “Ich habe geschafft, was selbst ich vor 6 Jahren nicht mehr geglaubt habe.”
Das Ausscheidungsrennen für das amerikanische Marathon-Team bei Olympia 1984 war erstklassig besetzt: Auf dem Kurs, der von Buffalo nach Niagara Falls führte, kämpften u.a. Namen wie Alberto Salazar, Bill Rodgers und der damals noch ziemlich unbekannte Pete Pfitzinger um die drei Plätze im Team. Pfitzinger setzte sich kurz nach der Halbmarathon-Marke ab und lief ein einsames Rennen – bis wenige Hundert Meter vor dem Ziel, als Salazar und John Tuttle ihn überholten. Doch Pfitzinger kämpfte sich zurück und gewann in 2:11:43 mit einer Sekunde Vorsprung vor Alberto Salazar.
Bei 18 Grad und praller Sonne fanden heute die Westfälischen Crossmeisterschaften in Herdecke statt (letztes Jahr lag noch Schnee!). Die 1,5-km-Runde führte über Wiesen und durch ein anspruchsvolles Waldstück mit einer sehr knackigen Steigung. Eigentlich wunderbare Bedingungen – aber für mich sollte es heute ein “Did Not Finish” werden. Schon nach 500 Metern lief ich wie gegen eine Wand, der Kreislauf wollte einfach nicht auf Touren kommen. Der Split für den ersten Kilometer war zwar okay (3:45 min) und ich lief etwa auf Position 15 des 30-köpfigen Feldes, aber mir war klar, dass irgendetwas nicht stimmte. Am Ende der ersten von drei Runden gab ich dann auf.
Ich weiß nicht, woran es lag; vielleicht an der ungewohnten Wärme, vielleicht am schlechten Schlaf der letzten Tage, hoffentlich nicht an einem Infekt. Aber ich glaube, auszusteigen war die richtige Entscheidung: Den Unterschied zwischen Anstrengung und Unwohlsein sollte man als Läufer kennen, und, auch wenn es schwerfällt, vor allem danach handeln.
Ein paar Stunden später bin ich dann nochmal 19 lockere Kilometer rund um Herdecke gelaufen, da lief es schon wieder deutlich besser. Wenigstens ein kleiner Trost…
11. beim LSF-Straßenlauf in 18:01. PB um 33 sek verbessert, aber 17:xx knapp verpasst. Am Ende fehlte Kick, vermutl. wg. Marathonumfängen vor 16 Stunden getwittert