Eigentlich wollte ich bei den Trailrun Worldmasters ja einfach nur Spaß haben und Trail-Erfahrung sammeln. Doch unterwegs packte mich dann doch der sportliche Ehrgeiz, und am Ende stand dann eine recht ordentliche Platzierung in einem zwar kleinen, aber hervorragend besetzten Feld (u.a. mit Berglaufweltmeister Jonathan Wyatt, “Strongman” und Brooks-Kollege Knut Höhler, Alexander Lubina und Stefan Paternoster).
Los ging es am Freitag mit dem Prolog über 5 km auf Phönix-West, einer Industriebrache mitten in Dortmund. Pünktlich zum Start fing es an zu regnen und der Boden wurde immer weicher – echtes Cross-Feeling! Die Strecke war wirklich interessant, u.a. ging es auf Stahltreppen einen alten Hochofen hinauf. Doch das sollte nur ein kleiner Vorgeschmack auf das Wochenende sein…
Am Samstag dann die “Königsetappe” über 36 km im Dortmunder Süden, u.a. zweimal rauf zur Hohensyburg. Die ersten Kilometer gingen noch über befestigte Wege und ich ließ mich dazu verführen, ein Tempo von ziemlich genau 4 min/km anzugehen. Das war natürlich viel zu optimistisch, schließlich lagen der härteste Teil der Strecke und jede Menge Höhenmeter noch vor mir. Etwa bei Kilometer 12 rutschte ich auf einem Abschnitt im Gelände (mit knöcheltiefem Schlamm) aus und stürzte. Ich trug zum Glück nur ein paar Schrammen davon und konnte weiterlaufen, allerdings lief ich danach doch deutlich vorsichtiger, vor allem auf den matschigen Steilpassagen. Dort wurde ich auch für das hohe Anfangstempo bestraft und musste teilweise sogar gehen – wobei das mitunter sogar die effizientere Art der Fortbewegung war. Die letzten 2-3 Kilometer zurück zum Start- und Zielbereich waren ähnlich hart wie die letzten 15 Minuten beim Marathon. Nach 3:01 h kam ich völlig entkräftet und einigermaßen gefrustet ins Ziel.
Während man nach einem solchen Lauf normalerweise erst einmal 1-2 Ruhetage einlegen würde, stand am Sonntag noch die Abschlussetappe an. Beim Aufstehen hatte ich überhaupt keine Lust zu laufen, geschweige denn einen Halbmarathon im Gelände. Irgendwie schleppte ich mich dann zum Startbereich und nachdem die Beine auf den ersten Kilometern noch streikten, lief es auf einmal richtig gut – sicher auch Kopfsache, denn jetzt wollte ich mir das Finishershirt nicht mehr nehmen lassen. Außerdem wurde ich in der Gesamtwertung vor der dritten Etappe auf Platz 22 geführt – da rechnete ich mir natürlich aus, noch 2-3 Plätze gut machen zu können. So kam es dann auch: Mit 1:33 h lief ich die 21,6 km in einer Zeit, die ich nach den Strapazen vom Vortag nicht erwartet hätte. Am Ende reichte es für Platz 19 und eine Gesamtzeit von 4:55 h.
Fazit: Trailrunning mitten im Ruhrgebiet sollte man nicht unterschätzen – im Gegenteil. Die 62 km der Trailrun Worldmasters waren anspruchsvoll, abwechslungsreich und rundum perfekt organisiert, auch dank der unzähligen ehrenamtlichen Streckenposten. Verbessern kann man eigentlich nur den Teilnehmer- und Zuschauerzuspruch – ein solch aufwendiges Event hat mehr Athleten und Fans verdient. Da ist natürlich in erster Linie der Veranstalter gefragt: 150 Euro Startgeld sind angesichts des Aufwands zwar nachvollziehbar, aber zusammen mit Reise- und Übernachtungskosten eine Menge Geld. Vielleicht wäre es auch sinnvoll, die Veranstaltung auf zwei Tage zu verkürzen – der Prolog am Freitag ist zwar nett, aber nicht unverzichtbar, und die meisten Teilnehmer kostet er einen Urlaubstag und eine zusätzliche Übernachtung.
Am Wochenende gehe ich in Dortmund bei den Trailrun Worldmasters an den Start (Startnr. 132). Die Fakten: 62 Kilometer in 3 Tagen mit mehr als 1.000 Höhenmetern. Vor allem vor der zweiten Etappe am Samstag mit 36 Kilometern in den Ruhrklippen habe ich durchaus Respekt, zumal ich wegen des Essen-Marathons keine Trail-spezifische Vorbereitung absolviere konnte. Aber ich habe in Dortmund auch keine sportlichen Ambitionen – im Vordergrund steht der Spaß am Laufen im Gelände, eine willkommene Abwechslung nach der langen Straßen-Saison!
Freitag
05.11.10
15.00 Uhr
Phoenix-Sprint
ca. 5,0 KM
Samstag
06.11.10
11.00 Uhr
Ruhrklippen-Trail
ca. 36,0 KM
Sonntag
07.11.10
11.00 Uhr
Bittermark-Run
ca. 21,6 KM
Also, vielleicht sieht man sich in Dortmund, ansonsten dürfen gerne morgen ab 15:33 Uhr (meine Startzeit für den Trailsprint über 5 km) die Daumen gedrückt werden.
Statt des medial gehypten Schnee-Chaos stand für mich heute Schnee-Cross auf dem Programm: Der Steinfurter Crosslauf sollte ein erster Formtest werden und wurde angesichts von tiefem Schnee und einigen knackigen Steigungen auch ein gutes Kraft- und Koordinationstraining.
Nach zügigem Start fand ich mich in einer Verfolgergruppe wieder, die sich schnell auseinanderzog. Ich lief lange Zeit an siebter Position, musste an einer der beiden Steilpassagen aber zwei Läufer passieren lassen. Nach knapp 9 durchaus kräftezehrenden Kilometern kam ich als 9. in 34:19 min ins Ziel. Damit bin ich absolut zufrieden!
Steinfurter Crosslauf 10.01.10 - 34:19 min, Platz 9 - Gut zu erkennen, wo die Steigungen waren
Bei 18 Grad und praller Sonne fanden heute die Westfälischen Crossmeisterschaften in Herdecke statt (letztes Jahr lag noch Schnee!). Die 1,5-km-Runde führte über Wiesen und durch ein anspruchsvolles Waldstück mit einer sehr knackigen Steigung. Eigentlich wunderbare Bedingungen – aber für mich sollte es heute ein “Did Not Finish” werden. Schon nach 500 Metern lief ich wie gegen eine Wand, der Kreislauf wollte einfach nicht auf Touren kommen. Der Split für den ersten Kilometer war zwar okay (3:45 min) und ich lief etwa auf Position 15 des 30-köpfigen Feldes, aber mir war klar, dass irgendetwas nicht stimmte. Am Ende der ersten von drei Runden gab ich dann auf.
Ich weiß nicht, woran es lag; vielleicht an der ungewohnten Wärme, vielleicht am schlechten Schlaf der letzten Tage, hoffentlich nicht an einem Infekt. Aber ich glaube, auszusteigen war die richtige Entscheidung: Den Unterschied zwischen Anstrengung und Unwohlsein sollte man als Läufer kennen, und, auch wenn es schwerfällt, vor allem danach handeln.
Ein paar Stunden später bin ich dann nochmal 19 lockere Kilometer rund um Herdecke gelaufen, da lief es schon wieder deutlich besser. Wenigstens ein kleiner Trost…
Mein erstes Paar Laufschuhe habe ich Mitte 2001 in einer Mall etwa zwei Autostunden von Dallas entfernt gekauft. Hier, im texanischen Niemandsland unweit des ehemaligen Ölbohr-Dorfes Kilgore, weilte ich seit ein paar Tagen als Austauschschüler. Und da mir ziemlich schnell klar wurde, dass mein Talent für Football bestenfalls für die Ersatzbank reichen würde, schloss ich mich dem Cross Country Team meiner High School an. Diese Entscheidung sollte ich nicht bereuen – im Gegenteil: Der Zusammenhalt im Team war super, ich schloss schnell Freundschaften und ganz nebenbei entdeckte ich meine Begeisterung für den Laufsport.
Unsere Schule verfügte über ein kleines Stadion samt Tartanbahn und einen Leichtathletiktrainer, der vier mal pro Woche mit uns trainierte und uns am Wochenende mit dem gelben Schulbus zu den Wettkämpfen in der Region fuhr. Das waren ziemlich professionelle Bedingungen, aber der Schulsport im Allgemeinen und der Crosslauf im Speziellen hat in den USA einfach einen viel größeren Stellenwert als hierzulande. Bei den Wettkämpfen ging es dementsprechend immer auch um das Prestige der Schule: Wer besonders gut lief, wurde am nächsten Schultag per Lautsprecherdurchsage geehrt.
Nach meiner Rückkehr nach Deutschland hing ich die Laufschuhe erst einmal an den Nagel, auch weil ich es versäumte, mir einen Verein zu suchen. Erst im Studium packte mich der Ehrgeiz, wieder ernsthaft zu trainieren. Im Herbst 2008 schloss ich mich dem LSF Münster an, im April 2009 lief ich meinen ersten Marathon und inzwischen kann ich mir ein Leben ohne regelmäßiges Laufen kaum noch vorstellen.